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Bildrechte:© (Alberto Giacometti) VG Bild-Kunst Bonn, 2006 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Alberto Giacometti
Composition sept figures - tête (La forêt) // Komposition mit sieben Figuren - Kopf (Der Wald), 1950
Skulptur
Bronze
55,5 x 61 x 49,5 cm

Auf einer unregelmäßig modellierten, fast rechteckigen und in der Mitte abgesenkten Bronzeplatte gruppiert Alberto Giacometti in seiner Composition 7 figures-tête (La forêt) / Komposition mit 7 Figuren (Der Wald) von 1950 sieben unterschiedlich hohe Figuren. Die hintere rechte Ecke besetzt eine männliche Büste mit schlankem Hals und breiten Schultern.

Die Anordnung der schmalen, schrundig umrissenen und senkrecht aufsteigenden Figuren folgt einer lockeren Rhythmisierung, wobei Maße und Ausdehnung der zugehörigen Plinthen, auf denen jeweils die klobigen Füße lasten, auf die Größe der Figur abgestimmt sind. Allein die Ausrichtung der Füße und die starre Blickrichtung der Büste definieren die Ansichtsseite, da die Statuetten keine ausgeprägten menschlichen Züge aufweisen. Der Werktitel versteht die sieben vertikalen Achsen sowohl als Figuren, aber auch als Bäume, als ein Figuren-Wald. Im Gegensatz zur Absenkung der Sockelplatte wächst dieser "Wald" auf abgesicherter Fundamentierung zur Mitte hin empor, während allein die Büste im Bodenmaterial verankert scheint und keine eigene Plinthe aufweist. Obgleich die Figuren äußerst fragil und flach gestaltet sind und keine Körpermasse aufweisen, vermitteln sie mit ihren schweren Füßen und winzigen Köpfen und im Gegensatz zur statischen, wenn auch vergleichsweise großen Männerbüste eine übersteigerte Monumentalität. Die mangelnde Übereinstimmung der Größenverhältnisse, mit der Giacometti den Betrachter konfrontiert, wird noch dadurch verstärkt, dass dessen Blick in keiner Ansicht alle Figuren gleichzeitig erfassen und abtasten kann. Da alle Figuren gleichermaßen "unscharf" ausgeformt sind, lassen sich die Größenverhältnisse innerhalb der Gruppe nicht einer perspektivischen Maßgabe folgend deuten, denn dazu müssten die vorderen Figuren scharf und nahansichtig, die rückwärtigen entsprechend kleiner und unschärfer dargestellt sein. Doch liegt dem Künstler offensichtlich daran, gerade die perspektivische Sehgewohnheit zum Thema der Skulptur zu machen, indem er Größenerwartungen der Betrachter nicht erfüllt. Dies beweist seine Gestaltung der Männerbüste im Hintergrund der Gruppe. Sie ist auffallend groß gestaltet und weist äußerst präzise Gesichtsmerkmale auf, obwohl sie vom Betrachter am weitesten entfernt ist. Diese Widersprüche in Maßstab und Perspektive lösen sich zum Teil auf, betrachtet man die gesamte Szene nicht mehr als Figurenwald, sondern gemäß Karlheinz Nowald (Notizen zu La Foret, in: Ausst.-Kat. Giacometti, Duisburg 1977) als Stilleben.

In einem ähnlichen Schwebezustand ist der Text von Giacometti gefasst, den er 1950 Pierre Matisse anlässlich der Ausstellung seiner Werke in New York einreichte:
"In den Monaten März und April habe ich jeden Tag drei Figuren (Skizzen) von unterschiedlicher Größe sowie Köpfe gemacht. Ich habe damit aufgehört, ohne ganz zu erreichen, was ich wollte. Aber unfähig, die Figuren zu zerstören, die in diesem Moment noch aufrecht standen, und auch, sie isoliert und verloren im Raum stehen zu lassen, begann ich eine Komposition mit drei Figuren und einem Kopf, eine Komposition, die fast gegen meinen Willen entstanden ist (oder vielmehr: sie war gemacht, eh gedacht). Aber unmittelbar danach hatte ich den Wunsch nach weniger strengen Dingen, ohne allerdings zu sehen, wie ich sie realisieren könnte. – Einige Tage später, als ich die anderen Figuren betrachtete, die um die Tische freizumachen, ganz zufällig auf den Boden gestellt worden waren, sah ich, dass sie zwei Gruppen bildeten, die mir demjenigen zu entsprechen schienen, was ich suchte. Ich habe diese beiden Gruppen ohne die geringste Änderung auf Sockel gestellt, und wenn ich nachher an den Figuren arbeitete, habe ich doch weder ihren Standort noch ihre Größe verändert. (...) Die Komposition 7 Figuren – Kopf erinnerte mich an eine Waldecke, die ich jahrelang gesehen habe (in meiner Kindheit), wo die Bäume (hinter denen man Blöcke aus Granit sehen konnte) mit ihren nackten, schlanken Stämmen (ohne Äste fast bis zum Wipfel) mir immer als auf ihrem Weg erstarrte Personen vorkamen, die miteinander sprachen."


G.L.

Bildrechte:© (Alberto Giacometti) VG Bild-Kunst Bonn, 2006 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum