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Bildrechte:© (Max Bill) VG Bild-Kunst Bonn, 2008 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Max Bill
konstruktion aus drei kreisscheiben, 1945/46
Skulptur
Messing, vergoldet
35 x 49,8 x 49,8 cm

Der belgische Künstler Georges Vantangerloo hatte bereits vor 1920 noch als Mitglied der Gruppe de Stijl die tektonisch-konstruktive Gestaltung mit offenen und geschlossenen Volumina auf die dreidimensionale Plastik übertragen. Als Bill 1933 Vantangerloo in Paris erstmals begegnete, hatte dieser ihn dazu angeregt, selbst mit plastischen Versuchen zu beginnen. Der Einengung des Begriffes "konkrete Kunst" auf die ausschließliche Form klarer Geometrien begegnete Bill jedoch mit dynamisch ausgreifenden Konstruktionen, die in pyramidalem Aufbau in den Raum ausgreifen. Zunehmend verfolgte Bill noch in den dreißiger Jahren das Problem der kontinuierlichen Bewegung im Raum, die in der Unendlichen Schleife von 1935 ihre erste zukunftsweisende Lösung fand und deren endgültige Fassung Bill 1953 abschloss.

1935/36 hatte Bill die monumentale Konstruktion mit schwebendem Kubus in Eisen und Messing ausgeführt, wobei in einem luftigen Eisengestänge ein mehrfach aufgebrochener Kubus in schwebendem Zustand eingehängt ist. Die Logik und mathematische Formel, auf die Bill theoretisch stets größten Wert legt, wird bereits hier nur als Ausgangspunkt gewonnen für das freie Spiel der skulpturalen Kräfte im Raum. Bill versucht auf diese Weise der Skulptur, und sei diese noch so konstruktiv empfunden, die Statik zu nehmen und die Schwerkraft aufzuheben. Die Skulptur, so Bill 1947 in seiner Einleitung zum Katalog der Ausstellung Zürcher "konkrete kunst", sei "in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz, sie setzt systeme, ordnet diese und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das Leben."

Ein anschauliches Beispiel dieser GrundeinsteIlung ist auch die gezeigte Arbeit Konstruktion aus drei Kreisscheiben von 1945/50, in der die zuvor am Kubus entwickelte Mehrdimensionalität nun in einer transparenten Kugelplastik mit verschiedenen Ebenen entwickelt ist. Die sich durchdringenden spiegelnden Kreisscheiben sind in Messing ausgeführt und vergoldet worden, wobei das von Bill stets geforderte Wechselverhältnis zwischen Plastik und Malerei auch hier betont ist.

Die drei sich in der Mitte durchkreuzenden Scheiben wachsen bei gleichem Durchmesser zu verschiedenartigen Flächensegmenten zusammen, in denen die Binnenkanten und Außenrundungen lineare Grenzen markieren. Durch die Spiegelung und Vergoldung der Außenhaut werden jedoch Kernzone und Scheibenformen vielfach gebrochen und in neue Licht- und Schattenzonen untergliedert, so dass sich je nach Lichteinfall die Flächenabschnitte in einer veränderbaren und allansichtigen Bewegung aufzulösen scheinen. Der Raum, nach Bill die "eigentliche Plastik", öffnet sich nun in allen drei Richtungen, wird zwar am Objekt scharfkantig und linear begrenzt, bleibt aber durch die Glätte und Spiegelung allseitig offen, klar und hell. Exakte Technik und Mathematik, wie sie auch dieser Plastik zugrunde liegen, sind nach Bill kein Selbstzweck, sondern "vielmehr eine anwendung logischer denkvorgänge zur gestaltung von rhythmen und beziehungen, von gesetzen, die individuellen ursprung haben." (Bill, Die mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit, 1949).

G.L.

Bildrechte:© (Max Bill) VG Bild-Kunst Bonn, 2008 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum