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Bildrechte:© (Julio González) VG Bild-Kunst Bonn, 2009 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Julio González
Tête aux grands yeux // Kopf mit großen Augen, um 1930
Skulptur
Eisen, geschmiedet, geschnitten, geschweißt, auf Muschelkalksockel montiert
44 x 25 x 21,5 cm (Objektmaß)

Julio González hat verhältnismäßig spät zu einem eigenen künstlerischen Ausdruck in der Plastik gefunden. Er war immerhin gut 50 Jahre alt, als er – in Zusammenarbeit mit Picasso – mit Köpfen, Masken und Figuren sowie Still-Leben auch als Bildhauer Aufsehen erregte. In doppelter Hinsicht mag er als Revolutionär der Plastik im 20. Jahrhundert gelten: Zum einen hat er mit dem Eisen einen Werkstoff nobilitiert, der lange nurmehr für zweitrangige Aufgaben verwendet wurde; zum anderen hat er es verstanden, den Raum wie einen Werkstoff zu behandeln. In seinen Worten: "Ich versuche, mit Hilfe neuer Mittel in den Raum zu projizieren, im Raum zu zeichnen, den Raum zu verwenden und mit ihm zu konstruieren, als handele es sich um einen neuen Werkstoff".

Der Tête aux grands yeux / Kopf mit großen Augen stammt, so Merker, aus der Sammlung des Freundes Maurice Raynal und aus der ersten bedeutenden Plastikphase des Künstlers. Er lässt sich wie ein Gegenstück zu Constantin Brancusis Blonder Negerin betrachten. Nur in einem Grundprinzip stimmen beide Werke überein: in der Kombination von Metall für den Kopf und Stein für den Körperrumpf. In Materialwahl und Durchgestaltung aber unterscheiden sich die beiden Werke wesentlich. Der goldpolierte Bronzekopf von Brancusi ist ein formvollendeter, gegliederter und rhythmisierter plastischer Körper, der Raum vor allem als Spiegelung des Umraums auffängt. Der Bronzekopf dagegen steht – leicht aus der Symmetrie versetzt – auf einem zweiteiligen, aus Zylinder und Kreuzblock gebildeten Steinsockel. Der harmonischen Geometrie Brancusis stellt González die grob bearbeiteten Eisenbleche auf dem nach hinten abfallenden, annähernd rechteckigen Muschelkalksockel entgegen.

Wie viele Künstler der Gruppen "Cercle et Carre" und "Abstraction – Creation": mit denen González damals in Paris in Verbindung steht, weicht der Künstler gezielt von den Formen der reinen Geometrie ab und beseelt sie mit seiner eigenen künstlerischen Handschrift. Aus dem querliegenden Steinblock wächst der längliche Hals über einem V-förmigen Grundriss empor und öffnet sich nach hinten in einer Faltung, die den Raum zwischen den Faltwänden bereits kalkuliert "konstruiert" hat. Auf der spitzen Oberkante der Halswände ist der eigentliche Kopf aufgeschweißt, der Maske und Kopf zugleich ist; wie eine "Maske mit großen Augen" schwebt ein gewölbtes Eisenblech vor einer größeren Eisenscheibe, wobei der Zwischenraum durch raumzeichnende, den Kopf teilweise umspielende schmale Bleche artikuliert erscheint.

Der Kopf mit großen Augen gewinnt durch die formale und räumliche Durchbildung der Eisenplastik und in der Kombination mit dem rauhen und unregelmäßig geformten Steinsockel archaische und fetischhafte Züge, wie sie die Plastik des Kubismus und in seiner Nachfolge bei González insgesamt kennzeichnet.

C.B.

Bildrechte:© (Julio González) VG Bild-Kunst Bonn, 2009 // Foto: Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum