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Duisburg

1815
Die Stadt Duisburg, die auf einen um 740 begonnenen Königshof und dessen Ausbau zur Königspfalz im 10. Jahrhundert zurückgeht und im 13. Jh. Stadtrecht erhält, wird im Zuge der Preußischen Verwaltungsgliederung dem Landkreis Dinslaken in der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg zugeordnet. Diese wird 1822 mit der Provinz Großherzogtum Niederrhein zur Rheinprovinz vereinigt.

1818
Die 1655 gegründete alte Universität Duisburg wird aufgelöst.

1824
Die Schwefelsäurefabrik Fr. W. Curtius wird gebaut. Duisburg tritt in das Zeitalter der Industrialisierung ein.

1828
Franz Haniel eröffnet in Ruhrort eine Werft für Dampfschiffe.

1833
Die letzten mittelalterlichen Stadttore müssen der wachsenden Bebauung weichen.

1846
Duisburg wird an den südlichen Teil der Köln-Mindener Eisenbahn angebunden, im Folgejahr wird die Strecke durch das nördliche Ruhrgebiet bis Minden weiter geführt.

1854
Nach Plänen von Vincenz Statz entsteht um den alten Westturm des 12. Jahrhunderts der Neubau der kath. Pfarrkirche St. Mathias.

1856
Die "Ruhrort-Homberger Rhein Trajektanstalt" wird gegründet, der 1854 begonnene Turm des Eisenbahntrajekts fertig gestellt.

Große Industriewerke siedeln sich im 19. Jh. um Duisburg an und bestimmen die Entwicklung der Stadt maßgeblich. Neue Siedlungen entstehen um die alten Kerne und die Einwohnerzahl wächst durch den Zuzug von Arbeitern aus dem deutschen Reich, Polen, Österreich und den Niederlanden rasant.
Die Entstehung der "Montanstadt" und der Ausbau der Rhein-Ruhr-Mündung führen zur Errichtung des größten Binnenhafens der Welt.

1865
Die Zeitung "Bote vom Niederrhein" wird gegründet.

1879
Der Malakoffturm über dem Schacht I der Homberger Zeche Rheinpreußen, die erstmals Kohle fördert, wird fertig gestellt.

1881
Der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) wird in Duisburg-Meiderich als Sohn eines Bergmanns geboren.

Die Duisburger Pferdebahn wird eröffnet.

1897
Die erste elektrische Straßenbahnlinie in Duisburg wird fertig gestellt.

1902
Das neue Rathaus wird nach Plänen des Karlsruher Architekten Friedrich Ratzel fertig gestellt. Um zwei Innenhöfe werden die Gebäudeflügel und ein Rathausturm errichtet. Die skulpturale Ausstattung geht auf Entwürfe von Fritz Heinemann und Fridolin Deutsche zurück. Nach der Zerstörung im II. Weltkrieg wird der Bau in vereinfachter Form wieder aufgebaut.

Das Duisburger Stadtmuseum wird gegründet und zieht zunächst in das Rathaus. Umbenannt in "Niederrheinisches Museum" im Kantpark (1969-1990), baut es seinen archäologischen Schwerpunkt aus und zieht 1991 als Kultur- und Stadthistorisches Museum in ein denkmalgeschütztes Speicher- und Mühlengebäude (ehemals "Brotkörbe des Ruhrgebiets") am Innenhafen. Das Museum birgt eine stadtgeschichtliche Sammlung mit antiken Kunst-, Gebrauchsobjekten, ein Münzkabinett, einen Schauraum zur historischen Getreideproduktion und die Gerhard-Mercator-Sammlung.

1905
Auf den 1902 gegründeten Museumsverein geht eine Bürgerinitiative für die Veranstaltungen von Ausstellungen zurück. Auch der spätere Bau des Duisburger Kunstmuseums (1929) und die Errichtung einer Sammlung zeitgenössischer Kunst verdankt sich dem Verein.

1912
Der nach Entwürfen Martin Dülfers geplante neoklassizistische Bau des Stadttheaters wird eingeweiht.

1914-18
Der I. Weltkrieg trifft das Rhein- und Ruhrgebiet besonders stark. Versorgungsengpässe und sozialer Notstand bewirken eine nachhaltige Radikalisierung der betroffenen Gesellschaftsschichten. Die britische Seeblockade verstärkt die Probleme der stark importabhängigen deutsche Wirtschaft.

Nach Kriegsende kommt es zu Streiks, Straßenschlachten und Feuergefechten zwischen rechten und linken Gruppierungen. Die Inflation führt zu sozialen Problemen und Enteignungen.

1920
Die Rote Ruhrarmee wird gegründet. Ihr heftiger Widerstand gegen die wirtschaftliche und politische Situation führt binnen kurzer Zeit zum Sieg gegen die bewaffneten Ordnungskräfte im Revier. Bis Ende März erobert sie das gesamte Ruhrgebiet, wird jedoch auf Geheiß der Reichsregierung noch im gleichen Jahr durch Verbände von Reichswehr und Freikorps geschlagen. Todesurteile und Massenerschießungen folgen.

1921
Französische Truppen rücken aufgrund ausstehender Reparationszahlungen in die Städte Duisburg und Düsseldorf in der entmilitarisierten Zone vor. Frankreich übernimmt die Kontrolle über die Duisburg-Ruhrorter Häfen und den gesamten Export von Kohle und Stahl im Ruhrgebiet.

1923
Das gesamte Ruhrgebiet wird von französischen und belgischen Truppen besetzt. Die Versammlungsfreiheit wird aufgehoben und die Duisburger Presse unterliegt der Zensur.

Die Duisburger Separatistengruppe "Rheinischer Unabhängigkeitsbund" ruft am 22. Oktober die "Rheinische Republik" aus. Nach einem Monat beenden Franzosen und Belgier die Herrschaft der Separatisten.

1923/24
Passiver Widerstand der Bevölkerung, Sabotageakte und Anschläge ehemaliger Freikorpsmitglieder und Kommunisten sowie eine fortschreitende Inflation führen zur militärischen und wirtschaftlichen Eskalation der Situation.

1925
Nach der Annahme des Dawes-Plans durch die deutsche Regierung verlassen die Besatzungstruppen das Duisburger Stadtgebiet.

Die Wohnungsnot der 20er Jahre führt zur Planung der Dinkelsbachsiedlung. Mit standardisierten und kostengünstigen Reihenhäusern gehört sie zu den bedeutenden Projekten des sozialen Wohnungsbaus.

1929
Nach kurzzeitiger wirtschaftlicher Beruhigung gerät die Stadt in eine neue Rezession, die bis in die Weltwirtschaftskrise Beginn der 1930er Jahre reicht.

1934
Der Duisburger Zoo wird fertig gestellt, muss jedoch kriegsbedingt 1939 wieder geschlossen werden und wird im Krieg zerstört. 1946 wird er wieder eröffnet.

1936
Duisburg wird Garnisonsstadt mit großer militärischer Präsenz. Bis 1945 werden Truppenteile der Luftwaffe in Duisburg stationiert.

1938
Nationalsozialisten zerstören die große Synagoge in der Junkerstraße.

1939-45
In Duisburg-Ratingsee wird 1942 ein Konzentrationslager als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet, das bis 1945 besteht. Auch das im Jahr 1942 eingerichtete KZ-Außenlager in Meiderich wird 1943 bei einem Bombenangriff vollständig zerstört.

Das Ruhrgebiet wird als Standort der Chemie- und Hüttenindustrie stark bombardiert. Bei Luftangriffen wird die Stadt weitestgehend zerstört.

1945
Amerikanische Truppen treffen in Duisburg ein.

Nach der Währungsreform werden Kohle und Stahl die Motoren des Wiederaufbaus. Nahezu die gesamte Stadt wird neu aufgebaut. Der größte Teil der historischen Bauten verschwindet.

1954
Nach Plänen von Rudolf Schwarz entsteht der Betonskelettbau der kath. Pfarrkirche St. Anna.

1957
Der Betonskelettbau der kath. Pfarrkirche St. Stephanus (Arch. W. Seidensticker) wird fertig gestellt.

Ende der 1950er Jahre zählt Duisburg kaum Arbeitslose. Die Wirtschaftskraft der Region liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt. Die Stadt verzeichnet große Zuzugsraten, 1961 leben 502.933 Einwohner in Duisburg.

1964
Trotz der Kohlenkrise, die zur Schließung von Zechen führt, floriert die Stahlindustrie in den 1960er Jahren. Vermehrt sucht die Industrie ausländische Arbeitskräfte.

Das vom Sohn des Künstlers, Manfred Lehmbruck, erbaute Wilhelm-Lehmbruck Museum wird in der Nachfolge des 1929 gegründeten Kunstmuseums eröffnet. Das Museum am Rand des Kantparks wird 1987 erweitert und im Jahr 2000 vom städtischen zum Stiftungs-Museum gewandelt. Die Sammlung umfasst bildhauerische Werke Wilhelm Lehmbrucks, Plastiken des späten 19. Jahrhunderts sowie Malerei und Skulptur des 20. Jahrhunderts.

1968
Die Pädagogische Hochschule wird gegründet.

1972
Nach ihrer Schließung 1818 wird die Universität Duisburg neu gegründet.

1974
Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt wird im Duisburger Stadtteil Ruhrort, der Keimzelle der Duisburg-Ruhrorter Häfen, eröffnet. 1979 zieht die erste Sammlung in das ehemalige Ruhrorter Rathaus, 1998 wird sie in das ehemalige, 1910 eröffnete Ruhrorter Hallenbad verlegt. Das Museum umfasst eine Sammlung zur Binnenschiffahrt und deren Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte einschließlich zweier Museumsschiffe. Es ist heute Teil der Route der Industriekultur.

1975
Das 1536 erstmals urkundlich erwähnte Dreigiebelhaus wird restauriert und als Künstleratelierhaus wieder eröffnet.

1977
Die Stahlkrise hat ihren ersten Höhepunkt und erfasst weite Teile des Ruhrgebiets.

Das Kulturfestival "Duisburger Akzente" wird ins Leben gerufen und widmet sich in den Bereichen Theater, Bildende Kunst, Literatur, Tanz und mit wissenschaftlichen Symposien aktuellen kultur- und gesellschaftspolitischen Themen.

Mit der "Duisburger Filmwoche" wird ein Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms initiiert.

1982
Proteste der Stahlarbeiter richten sich gegen Schließungs- und Entlassungsabsichten der Stahlunternehmen im Ruhrgebiet.

1983
Die Stadt begeht ihre 1100-Jahr-Feier.

1986
Duisburg wird durch den Rückgang der Montanindustrie von einem umfassenden Strukturwandel gezeichnet. Neben der nach wie vor dominanten Stahlindustrie werden, wie u.a. im 1987 gegründeten "Tectrum", neue Industrien (u.a. der Elektronik), Dienstleistungs- und Transportunternehmen auf freigewordenen Industrieflächen angesiedelt.

In den Ausbau des Verkehrsnetzes werden künstlerische Konzepte für die Stationen der neuen U-Bahnstrecken einbezogen. Zu den künstlerischen U-Bahnhofgestaltungen von Gerhard Richter und Isa Genzken tritt 2000 auch eine Station von Eberhard Bosslet.

1989
Anlässlich der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) und angebunden an die Route der Industriekultur wird bis 1999 der Duisburger Innenhafen umstrukturiert und als Arbeits, Wohn-, Kultur- und Freizeitstätte wiederbelebt. Der 1994 entwickelten Gesamtplanung von Norman Forster folgend, werden die industriehistorisch bedeutsamen Hafengebäude erhalten.

1990
Der Duisburger Freihafen wird eröffnet. Sein Mittelpunkt liegt noch heute im Bereich der Ruhrmündung, an der bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts der erste Ruhrorter Hafen entsteht.

1991
Niki de Saint-Phalles gemeinsam mit Jean Tinguely entworfener Lifesaver-Brunnen (Modell im Wilhelm Lehmbruck-Museum) wird an der Königsstraße errichtet.

Die Stadt feiert das 275-jährige bestehen des Duisburger Hafens.

1992
Der Kölner Bildhauer Lutz Fritsch errichtet an der Ruhr-Rhein-Mündung die orangefarbene Stahllandmarke Rheinorange, die Teil der Route der Industriekultur ist.

1994
Zum 400.Todestag des Mathematikers und Kartographen Gerhard Mercator, der 1552-94 in Duisburg arbeitet, wird das Jahr 1994 zum "Gerhard-Mercator Jahr". Die Duisburger Universität wird in Gerhard-Mercator-Universität umbenannt.

1999
Das Museum Küppersmühle wird in einem durch das Architekturbüro Herzog & de Meuron zum Kunstmuseum umgestalteten Getreidespeicher am Innenhafen eröffnet. Es beinhaltet die Sammlung des Duisburger Kunstsammlers Hans Grothe, die über 800 Werke des 20. und 21. Jahrhunderts umfasst.

Das neue jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge am Innenhafen wird eröffnet.

2001
Im Viertel Bruckhausen beginnt der Bau einer Moschee.

2005
Duisburg ist Austragungsort der "World Games 2005".