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Bildrechte:© (Hartmut Böhm) VG Bild-Kunst Bonn, 2009 // Foto: Museum am Ostwall, R. Spiler
Hartmut Böhm
Struktur im Kubus 1A, 1967/68
Objekt
Plexiglas und Pappe
50,6 x 50,6 x 50,6 cm

Hartmut Böhm gehört zu den so genannten ′konstruktiven′ Künstlern. Seinen Arbeiten liegt jeweils ein klar definiertes Ordnungsprinzip zugrunde. Einzelelemente werden nicht willkürlich gesetzt, sondern unterliegen einem systematischen, nachvollziehbaren Prinzip. Dies bezieht sich sowohl auf seine grafischen Arbeiten und seine Reliefs als auch auf seine etwa seit Mitte der 1970er Jahre realisierten, ortsspezifischen Installationen. Böhms Interesse liegt dabei in der systematischen Erforschung von konstruktiven Elementen und den Bedingungen ihrer Rezeption. Seine Arbeiten können daher auch als Versuchsanordnungen beschrieben werden.

Die Arbeit Struktur im Kubus 1A, an deren Verwirklichung Böhm von 1967 bis 1968 arbeitete, besteht aus einem Plexiglaskubus. In diesem staffeln sich einzelne, industriell vorgefertigte, gleiche weiße Lamellen aus Kunststoff und bilden eine systematische Anordnung. Hier experimentierte der Künstler mit der Höhenstufung oder auch dem Neigungswinkel von Elementen. Struktur im Kubus 1A zählt zu jenen Raumstrukturen von Hartmut Böhm, deren Entstehung eine intensive und experimentelle Auseinandersetzung mit Reliefstrukturen vorangegangen war.

Durch den von fünf Seiten ermöglichten Einblick in den Kubus, kann das geometrische Gebilde aus verschiedenen Perspektiven erschlossen werden. Je nach Standpunkt des Betrachters ergeben sich neue optische Überschneidungen der inwendigen Lamellen und somit eine immer wieder neue wahrnehmbare Gesamtstruktur. Die Wirkung der Arbeit wird nicht zuletzt auch durch die Lichtsituation wesentlich mitbestimmt. Je nach Lichtquelle und deren Standort verändern sich Licht- und Schattensituation innerhalb des Kubus und seines räumlichen Kontextes. Die Anordnung der Lamellen scheint sich zu wandeln. Hartmut Böhm thematisiert hier die Bedeutung von Licht und Schatten bei der Wahrnehmung konstruktiver Anordnungen. In einigen seiner Arbeiten – wie beispielsweise den Quadratreliefs aus dem Jahr 1967 – wurden die Werke direkt einer programmgesteuerten Lichtführung unterworfen, um die Variabilität der Wahrnehmung durch die Veränderung des Lichteinfalls sichtbar zu machen. Werk, Licht, Betrachtende und schließlich – in seinen ortsspezifischen Arbeiten – der räumlicher Zusammenhang treten innerhalb des Wahrnehmungsprozesses in einen komplexen Dialog.

Der eindeutig zu bestimmenden Struktur stehen somit ihre visuell mehrdeutigen Wahrnehmungsmöglichkeiten entgegen (vgl. Ausst.-Kat. Hartmut Böhm, Zürich, 1996, 19). Erscheint die Arbeit auf den ersten Blick erfassbar, so eröffnet sie dem Betrachter doch immer wieder neue Ansichten.
Das Werk von Hartmut Böhm ist durchaus aus einem didaktischen Ansatz heraus zu verstehen, indem er dem Betrachter die Mehrdeutigkeit optischer Erscheinungen und visueller Rezeption vor Augen führt: "Meine Arbeiten sind zu verstehen als didaktische Modelle, die erst in ihrer aktiven Aneignung real präsent sind. (...) Die Beziehung von eindeutig determinierter Struktur und ihrer visuell mehrdeutigen Wahrnehmung provoziert eine intellektuelle und sensible Auseinandersetzung. Die Wahrnehmbarkeit der Objekte ist demnach ihr eigentliches Thema, das Ziel ist die Verringerung der Distanz zwischen Künstler und Betrachter durch Einsicht in den operationalen Prozess" (zit. n. ebd., 17).


A.-C.K.

Bildrechte:© (Hartmut Böhm) VG Bild-Kunst Bonn, 2009 // Foto: Museum am Ostwall, R. Spiler