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Städtisches Museum Abteiberg

Das Museum Abteiberg verdankt seine konzeptuelle Geschlossenheit einer für die 70er Jahre entscheidenden Neuformulierung des öffentlichen Kulturauftrags. Hans Hollein, Architekt des 1982 eröffneten Museumsneubaus, setzte die Moderne in Bezug zu den historischen Zentren der Stadt. Nicht Abschottung oder Radikalisierung moderner Autonomieansprüche bestimmen diesen öffentlichen Raum, sondern der Wunsch nach Vermittlung und spielerischer Auseinandersetzung mit der Tradition. Hollein entschied sich nicht für einen Museumsort inmitten städtischer Betriebsamkeit und setzte auf stadthistorische Bezüge: Der Abteiberg mit seinen historischen Bauten, dem Abteimünster und der Pfarrkirche verknüpft den modernen musealen Anspruch auf Gegenwärtigkeit und Zeitaktualität mit der Erinnerung an die lokale Geschichte.

Holleins mehrdimensional angelegte Architektur will Geschichte evozieren, nicht pedantische Chronologie sondern das Nebeneinander des Ungleichzeitigen. Das Motiv der gewundenen 'Reisterrassen', die das in den Berg gebaute Museum erschließen, ist bezeichnend für den Wunsch nach Ausgleich nicht allein topographischer sondern auch kulturgeschichtlicher Vorgaben. Raum bleibt jedoch auch für postmoderne Ironie: Besucher treffen dort, wo sie eine repräsentative Portalsituation erwarten, auf ein zierliches Eingangstempelchen, pathetische Motive antiker Herrschaftsarchitektur werden nun im Wahrnehmungskontext eines intimen Belvedere erfahrbar. Holleins Vorgaben für das Besucherverhalten, sein Interesse am historischen Zitat und an der stadtgeschichtlichen Rückbindung seiner Architektur sprechen von einer eigenständigen Konzeption der musealen Aufgaben, die gemeinsam mit dem Museumsleiter des Museum Abteiberg von 1967 bis 1983, Johannes Cladders, entwickelt wurden.

1904 wurde die vornehmlich stadtgeschichtliche wie der mittelalterlichen Holzskulptur gewidmete Sammlung begründet. Durch die Schenkung des Kunsthistorikers Walter Kaesbach erhielt das Museum 1922 eine bedeutsame Expressionistensammlung, deren vollständigen Verlust man nach dem II. Weltkrieg kompensieren musste. Der Rückkauf expressionistischer Werke stand daher zunächst im Vordergrund. Die klare Ausrichtung an wichtigen zeitgenössischen Kunstpositionen erfolgte erst mit den 60er Jahren und setzt sich bis heute unter der aktuellen Direktorin Susanne Titz fort. Deutlich spiegeln Ankaufspolitik und Sammlungsschwerpunkte das Interesse wieder, im öffentlichen musealen Raum neue Perspektiven für den Besucher zu entwickeln und den Ereignischarakter der Werkbetrachtung mitzubestimmen.

Durch die Ankaufspolitik nach dem Krieg ging in die heutige Sammlung des Museums eine kleinere Anzahl expressionistischer Werke – so Arbeiten der Brücke-Künstler und des rheinischen Expressionismus – wie eine umfangreiche Sammlung von Fotografien Man Rays ein. Einen besonderen Stellenwert nehmen jedoch raumgestaltende Arbeiten der sechziger und siebziger Jahre, konzeptorientierte Arbeiten im Umkreis von Minimal Art und Arte Povera, der Gruppe Zero und der Op Art ein. Daneben sind Rauminstallationen künstlerischer Aktionen der 70er Jahre und serielle malerische wie skulpturale Raumkonzepte mit wichtigen Arbeiten vertreten. Exponate zur amerikanischen Pop Art bilden dazu einen auf einzelne Werke begrenzten Gegenpol. Die konzeptuelle Ausrichtung der musealen Schwerpunkte kennzeichnet das Mönchengladbacher Museum bis heute. So wurden der Sammlung in jüngerer Zeit Werke im Kontext neuer konzeptueller Tendenzen und Künstlerräume aus den achtziger und neunziger Jahren hinzugefügt. Der Ausbau des alten Abteigartens zum musealen, erneut in den öffentlich Raum ausgreifenden Skulpturenpark im Jahr 2002 bestärkt in jüngerer Zeit nochmals das Anliegen einer städtischen Verankerung von Museumsarchitektur und Sammlung.


Literaturauswahl

// Kunst der Gegenwart 1960-2007: Best.-Kat. Städt. Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2007 // Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach. Ein kommentierter Bildband, hg. v. Städt. Museum Abteiberg, H. Kersting, Mönchengladbach 2001 // Städt. Museum Abteiberg. Kurzführer, hg. v. Museumsverein Mönchengladbach i. Zus. m. d. Städt. Museum Abteiberg, H. Kersting, Mönchengladbach 1997 // Kunst der ersten Jahrhunderthälfte 1900-1960: Best.-Kat. Städt. Museum Abteiberg, Mönchengladbach 1990 // Kunst der Gegenwart: 1960 bis Ende der 80er Jahre: Best.-Kat. Städt. Museum Abteiberg, bearb. u. red. v. H. Kersting, Mönchengladbach 1988 // Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach: Best.-Kat., 2 Bde., bearb. v. S. Kimpel-Fehlmann, Mönchengladbach 1980/81 // Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach. Entwurf des Neubaus von Architekt Hans Hollein,  Aspekte der musealen Aktivität unter Leitung von Johannes Cladders, Wien 1979 //