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Bildrechte:© Wolfgang Feelisch // Foto: Museum am Ostwall
Wolfgang Feelisch
in'sait, 1969
Objekt
Holzbrett in Papiereinband mit Aufdruck
H. 20 cm x B. 13 cm x T. 2 cm

Der Remscheider Fabrikant Wolfgang Feelisch ist in der Kunstwelt weniger als Künstler bekannt. Dahingegen hat er sich einen Namen als Fluxus-Sammler, Kurator, und vor allem als Begründer des VICE-Versands und somit als Verleger und Herausgeber von Multiples gemacht.

Die Bezeichnung "Multiple", die auch auf Wolfgang Feelischs in’sait von 1969 zutrifft, benennt ein Original, das zwar kein Unikat ist, jedoch seriell in einer bestimmten, vom Künstler festgelegten Auflage hergestellt ist. Pionier für Multiples ist die 1958/59 begründete Edition MAT (Multiplication d’Art Transformable) der Künstler Daniel Spoerri und Karl Gerstner. Spoerris Intention war es, die für ihn überholte Vorstellung vom Kunstwerk als einer ursprünglichen und einzigartigen Leistung zu unterlaufen, indem er es jedem ermöglichen wollte, Kunst zu erschwinglichen Preisen zu erwerben. Im Rahmen der Fluxus-Bewegung erlebt diese Idee in den späten 1960er Jahren einen Boom, und es entstehen immer mehr Kunstverlage, die sich auf Multiples spezialisieren. So auch Wolfgang Feelischs VICE-Versand, der ab 1968/69 preisgünstige Multiples in zunächst unlimitierten Auflagen vertreibt. Feelisch nutzt neue Vertriebswege für seine Auflagenobjekte, verkauft sie in Supermärkten, Kaufhäusern und bietet sie zusätzlich per mail-order an.

Feelischs eigenes Objekt in’sait könnte auf den ersten Blick als Buch rezipiert werden. Auf dem leuchtend roten Papierumschlag steht der Titel, lautmalerisch angelehnt an das englische Wort "insight", das mit Einsicht, Einblick oder Erkenntnis übersetzt werden kann. Aber auch die Assoziation an "inside" als mehrdeutiger Hinweis auf ein vermeintlich 'Inneres' des Buches mag sich einstellen. Der "Titel 'In Sait', gedruckt Rot und Schwarz auf Weiß ist das", so Feelisch selbst, "was man in den 30er Jahren undeutsch nannte. Etwas Fremdes." Anstelle der Vermehrung gewonnener Einsichten durch die Lektüre eines Buches befindet sich im Inneren lediglich ein Holzquader in Buchgröße – "ohne jede Rezeptionsanweisung (...). Wenn sich herausstellen sollte, dass das Holz womöglich vom Baum der Erkenntnis stammt, dann hätten wir hier kein Buch, sondern so etwas wie eine Reliquie vor uns – und das gesamte abendländisch-christliche Glaubensbekenntnis müsste umgeschrieben werden." (Feelisch).
Feelisch weist in ironischer Weise auf das Paradox hin, mit dem so manches Buch wie auch Kunstwerk verbunden ist: auf den Widerspruch von Innen und Außen, Sein und Schein.

Seit 1968 im Kontakt mit dem Museum am Ostwall stehend, stellt Wolfgang Feelisch schon 1969/70 die ersten Editionen des VICE-Versands als Dauerleihgabe der Sammlung Feelisch im Museum aus. Kontinuierlich werden sie im Rahmen der Dauerausstellung bis heute gezeigt. 1988 kann ein Teil der Sammlung angekauft werden, mit der Präsentation im Museum ist aber keinesfalls das Ende der Produktionen des VICE-Versands erreicht. Im Dortmunder Museumsbrief 2/1970 begründet Wolfgang Feelisch seine damalige Dauerleihgabe damit, dass er bei seinen "Aktivitäten von der Konservierung der zum Teil bereits heute historisch gewordenen Dokumente unbelastet" (Kat. 1993) sein will.

So konnte das Museum am Ostwall mit der so genannten "Sammlung Feelisch" zum einen Multiples des VICE-Versands erwerben, sowie damit zusammen hängende Dokumente und zum anderen größere Werke diverser Fluxus-Künstler, die nicht als Auflagenobjekt hergestellt worden sind. Durch die Kontakte des Sammlers Wolfgang Feelisch und die Aufgeschlossenheit des damaligen Direktors, Eugen Thiemann, haben sich auch weitere Projekte für das Museum ergeben. Hierzu gehören große Ausstellungen von Milan Knížak, Thomas Bayrle, Joseph Beuys und Allan Kaprow.


R.P.

Bildrechte:© Wolfgang Feelisch // Foto: Museum am Ostwall