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Dortmund

1802
Die zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis gehörende, im 12. Jahrhundert gegründete und nun Freie Reichsstadt Dortmund fällt als Exklave an das Fürstentum Oranien-Nassau.

1806
Dortmund wird Teil des französischen Großherzogtums Berg und Präfektur des Ruhr-Departements.

1815
Nach dem preußischen Sieg über Napoleon fällt Dortmund an die preußische Provinz Westfalen. Die Stadt wird 1817 Sitz eines Landkreises innerhalb des Regierungsbezirk Arnsberg, aus dem Dortmund 1875 ausscheidet und kreisfreie Stadt wird.

1822
Die Familie von Romberg beauftragt 1818 den Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe mit der Anlage eines englischen Landschaftsgartens auf dem Gelände rund um das Wasserschloss Romberg in Dortmund-Brünninghausen.

1847
Mit der Eröffnung der Cöln-Mindener Eisenbahn im Jahr 1847 wird Dortmund zu einem wichtigen Verkehrsknoten im Ruhrgebiet. Durch die Kohlenförderung und Stahlverarbeitung vollzieht sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Wandel Dortmunds zur Industriestadt.

1852
Der Hoerder Bergwerks- und Hütten-Verein entsteht und umfasst zunächst die 1839 gegründete Hermannshütte im Dortmunder Stadtteil Hörde (Betriebsteil Phoenix-Ost). Auf dem stillgelegten, zum Teil denkmalgeschützten Hochofenwerk Phönix-West erinnern heute zwei teilweise erhaltene Hochöfen mit Möllerung, Gasometer, sanierter Gebläsehalle und Reserveteillager an die Industriegeschichte des Stadtteils.

1858
Die Nordstadt Dortmunds wird zwischen 1858 und 1913 als Arbeiterviertel errichtet.

1862
Die Bergisch-Märkische Eisenbahn eröffnet als Ost-West-Verbindung im Süden des Ruhrgebiets die Strecke Duisburg - Essen - Bochum - Dortmund.

1870
Der Bildhauer Benno Elkan (1870-1960) wird in Dortmund geboren. Zahlreiche Portraitbüsten und Denkmalsaufträge des an der Münchner und Karlsruher Akademie ausgebildeten Künstlers, u.a. in Dortmund (Grabskulptur, Ostfriedhof), Hamburg, Frankfurt, Edinburgh und Jerusalem gehen auf ihn zurück.

Dortmund tritt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in die Phase der Hochindustrialisierung ein. Zahlreiche Unternehmen in den Bereichen Kohle, Eisenverarbeitung und Brückenbauwesen – darunter Hoesch, die Dortmunder Union, die Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb sowie die Dortmunder Zechen – werden in den 1860er bis 90er Jahren gegründet. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts existieren mehr als 15 Kohlebergwerke in der Stadt. Auch die Bierproduktion verzeichnet zwischen 1870 und 1913 eine enormen Zuwachs.

Südlich der Dortmunder Kaiserstraße werden im ausgehenden 19. Jh. viele gründerzeitliche Unternehmervillen gebaut.

1887
Erste Pferderennen finden an der Hobertsburg am Fredenbaum statt.

1895
Durch das in den 1890ern einsetzende und bis in die 10er Jahre des 20. Jahrhunderts währende Wachstum werden städtebauliche Projekte in Dortmund möglich. 1898/99 werden das Alte Rathaus und das Alte Stadthaus renoviert und baulich verändert.

1897
Überall im Ruhrgebiet entstehen sog. "Kaisergärten". In Dortmund wird (südlich der Bundesstraße 1) der Kaiserhain eröffnet, dort finden ab 1959 verschiedene Bundesgartenschauen statt.

1899
Die Alte Kolonie Eving wird zwischen 1898 und 1899 von der Zeche Vereinigte Stein und Hardenberg für angeworbene auswärtige Arbeiter errichtet. Sie besteht  aus 76 Häusern mit 270 Wohnungen.

Der Dortmund-Ems-Kanal wird von Kaiser Wilhelm II. eröffnet. Für die Dortmunder Montanindustrie wird der Kanal zu einem wichtigen Verkehrsweg.

Das Hafenamt wird nach Plänen von Stadtbaurat Friedrich Kullrich errichtet und durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Der zweigeschossige Bau mit einem zentralen Frontturm ist bis 1962 Sitz der Dortmunder Hafen AG, heute Sitz der Wasserschutzpolizei, und beinhaltet einen Ausstellungsbereich mit Exponaten zur Schifffahrts- und Hafengeschichte.

1900
Der Berliner Architekt Eduard Fürstenau erbaut 1900 die neue Synagoge am Hiltropwall.

Im gleichen Jahr wird das Musikkonservatorium (heute Musikschule Dortmund) gegründet.

1902
Das Kaiser-Wilhelm I. Denkmal auf Hohensyburg wird eingeweiht.

1904
Mit dem Kaufhaus Althoff wird das größte Kaufhaus in Westfalen eröffnet. Im gleichen Jahr weiht die Stadt das Stadttheater am Hiltropwall ein.

Der Schauspieler Rudolf (Antonius Heinrich) Platte (1904-1984) wird in Dortmund-Hörde geboren.

Das Kreuzviertel im Südwesten der Innenstadt wird zwischen 1904 und 1908 vom Beamten-Wohnungsverein bebaut.

1905
Mit der Eingliederung von Körne beginnen zahlreiche Eingemeindungen, die mit dem Gesetz über die kommunale Neuordnung des Ruhrgebiets von 1928 ihren Höhepunkt erreichen.

1908
Das neue Sparkassen- und Bibliotheksgebäude (1908), das Oberbergamtgebäude (1910) und das neue Bahnhofsgebäude (1910) werden eingeweiht.

1911
Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte wird als "Städtisches Kunst- und Gewerbemuseum zu Dortmund" im umgebauten Oberbergamt eröffnet. Nach Umzügen und Kriegszerstörung zieht die Sammlung Ende der 1990er Jahre in den von Hugo Steinbach 1924 entworfenen Bau der Städtischen Sparkasse im Zentrum der Stadt. In den 80er und 90er Jahren wird dieser verändert und neu strukturiert. Die Sammlung umfasst Malerei und Plastik bis 1900, Möbel, Kunstgewerbe und Design bis zur Gegenwart, Grafik, Fotografie, Textilien und Sammlungsbereiche zur Stadtgeschichte, Archäologie und Vermessungsgeschichte.

1912
Das Museum für Naturkunde wird gegründet. Die Erdgeschichte, Geologie, Mineralien, Tier- und Pflanzenwelt steht im Zentrum der Sammlung.

Als Westentotenhof eingerichtet, wird das Friedhofsgelände 1912 nach Gründung des Hauptfriedhofes in einen Park umgewandelt.

1913
Dortmund ist wichtiger Standort der Industriewirtschaft des Deutschen Reiches geworden. Für Stahlerzeugung, Bergbau und Baugewerbe werden zahlreiche Unternehmen, wie Schüchtermann, Jucho, Klönne, Wagner & Co. oder die Maschinenfabrik "Deutschland" gegründet. Die Kohleförderung und Kokserzeugung erreicht 1913 ihren Höchststand.

Die Galopprennbahn wird mit einer Sand- und Rasenbahn eröffnet.

Der Rat beschließt Planungs- und Baumaßnahmen, die ebenso zur Grundsteinlegung der Dortmunder Gartenstadt (1913) wie zahlreicher Sport- und Erholungsanlagen, u.a. des Lunaparks im Fredenbaum führen.

1914-1918
Der I. Weltkrieg trifft das Rhein- und Ruhrgebiet besonders stark. Die britische Seeblockade stellt die stark importabhängige deutsche Wirtschaft vor große Probleme. Nach Kriegsende kommt es zu Streiks, Straßenschlachten und Feuergefechten zwischen rechten und linken Gruppierungen. Die Inflation führt zu sozialen Problemen und Enteignungen vor allem des Mittelstands.

1920
Die Rote Ruhrarmee wird gebildet, besiegt binnen kurzer Zeit die bewaffneten Ordnungskräfte im Revier, besetzt Dortmund und bis Ende März das gesamte Ruhrgebiet. Im Auftrag der Reichsregierung schlagen Verbände von Reichswehr und Freikorps die Rote Armee im Ruhrgebiet und werfen den Bürgerkrieg nieder. Todesurteile und Massenerschießungen folgen.

1921
Wegen ausstehender Reparationszahlungen rücken französische Truppen in die entmilitarisierte Zone (Düsseldorf, Duisburg) vor. Frankreich sichert sich für die Besetzung des übrigen, noch unbesetzten Ruhrgebiets eine Schlüsselstellung, die Kontrolle über die wichtigsten Handelszentren an Rhein und Ruhr.

1922
Die Schauspielerin Gisela Trowe wird in Dortmund geboren.

1923/24
Ausgehend vom bereits besetzten Düsseldorfer und Duisburger Raum wird das gesamte Ruhrgebiet von französischen und belgischen Truppen besetzt. Passiver Widerstand der Bevölkerung, Sabotageakte und Anschläge ehemaliger Freikorpsmitglieder und Kommunisten, militärische Maßnahmen der Besatzer und eine fortschreitende Inflation führen zu Ruhrkampf und Wirtschaftskrise. Nach Ende der Besatzung kommt es zum Abschluss eines neuen Reparationsplans.

1924
Die Weiße Wiese an der Wambeler Straße wird durch den Verein Borussia Dortmund zu einem Stadion für 18.000 Besucher ausgebaut und in "Borussia-Sportpark" umbenannt.

1925
Nach der Annahme des Dawes-Plans durch die deutsche Regierung verlassen die Besatzungstruppen das Ruhrgebiet.

Die Westfalenhalle wird als Holzkonstruktion für 15.000 Besucher erbaut und ist zeitweilig die größte Halle Europas. Mehrere Festsäle, eine Reitbahn sowie Stallungen sind Teil des Komplexes. Während des II. Weltkrieges wird die Halle Kriegsgefangenenlager, später durch einen Bombenangriff zerstört, dem tausende Kriegsgefangene ausgeliefert sind.

Der Flughafen wird in Betrieb genommen, Dortmund wird Teil der Fluglinie Kopenhagen – Hamburg – Bremen – Dortmund – Frankfurt – Stuttgart - Zürich.

1926
Das Industriehochhaus Dortmunder U wird gebaut und wird zu einem Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Dach der ursprünglichen Brauerei wird 1962 ein "U" als Firmenzeichen der Union-Brauerei in Leuchtbuchstaben angebracht.

Der 1822 gebaute Romberg Park wird von der Stadt erworben. 1930 wird dort ein Botanischer Schulgarten errichtet, 1944 werden Park und Schloss stark beschädigt.

Das 1926 erbaute Stadion Rote Erde Dortmund wird neue, in den Volkspark integrierte Spielstätte des BVB.

1927
Max Schmeling besiegt in der Westfalenhalle den Belgier Delarge und wird Europameister.

1930
Die auf einen mittelalterlichen Vorgängerbau zurückgehende Nicolaikirche im Westen der Innenstadt wird als Stahl-, Glas- und Betonbau errichtet. Nach ihrer Zerstörung im II. Weltkrieg wird die Kirche wieder aufgebaut und 1951 um ein hohes, als Kreuz des Südens bekanntes, blaues Neonkreuz auf dem Kirchturm ergänzt.

1932
Vor der nationalsozialistischen Machtergreifung kommt es u.a. in der "Schlacht am Nordmarkt" zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der kommunistischen Arbeiterschaft der Dortmunder Nordstadt und den Nationalsozialisten.

1933
Die Gleichschaltung des Pressewesens beginnt in Dortmund unmittelbar nach dem Sieg der Nationalsozialisten. Die 1911 gegründete Westfälische Allgemeine Volkszeitung wird verboten und erscheint ab 1933 unter dem Titel "Westfälische Post" weiter. Auch der Dortmunder General-Anzeiger, eine der größten deutschen Tageszeitungen, wird 1933 gleichgeschaltet.

Oberbürgermeister Ernst Eichhoff geht auf Druck der NSDAP in den Ruhestand.

1935
Von 1935 an werden am Westfalendamm, der damaligen Reichstraße, großflächig Kasernenbauten errichtet.

1938
Die Dortmunder Synagoge wird abgerissen, in der anschließenden "Reichspogromnacht" werden die Synagogen in den Vororten Hörde und Dorstfeld in Brand gesteckt und abgerissen.

1939-45
Vom Dortmunder Südbahnhof aus finden Deportationen nach Riga statt, zahlreiche Juden, Sinti und Roma und andere Verfolgte werden in Konzentrationslager verschleppt.

Zwischen 1943 und 1945 werden nahezu alle innerstädtischen Besiedlungsflächen durch Luftangriffe zerstört.

Auf einer Waldlichtung in der Bittermark, im Rombergpark und auf dem Eisenbahngelände zwischen Hörde und Berghofen finden Massenexekutionen der Gestapo an Zwangsarbeitern und politisch Verfolgten statt, denen mit dem Mahnmal Bittermark von 1960 gedacht wird.

Am 13. April 1945 wird Dortmund von amerikanischen Truppen besetzt.

Bis Juni 1945 beginnen alle Zechen wieder mit der Förderung von Kohle, der erste Hochofen bei Hoesch wird in Betrieb genommen.

1946
Die Westfälische Rundschau erscheint 1946 als erste Dortmunder Lokalzeitung. Später folgen das Westdeutsche Tageblatt und 1949 die Ruhr-Nachrichten.

1947
Das Museum am Ostwall wird als Museum moderner Kunst gegründet. Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Objekte, Fotos des 20. Jahrhunderts und über 2.500 graphische Blätter von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst. Es birgt ebenso eine umfangreiche Jawlensky-Sammlung wie Werke der "Brücke", des "Blauen Reiters", Kunst des Informel, Zero und Fluxus.

1951
Der Wiederaufbau der Stadt geht zügig voran. Die hohe Nachfrage an Stahl und Eisen führt dazu, dass Dortmund mit 500.000 Einwohnern zur größten Industriestadt Nordrhein-Westfalens wird.

1952
Es herrscht Vollbeschäftigung, vermehrt kommen Zuwanderer, insbesondere Flüchtlinge aus den Ostgebieten nach Dortmund, das bis 1965 mit 658.075 Einwohnern einen Bevölkerungshöchststand erreicht.

Die von Architekt Walter Höltje als Betonkonstruktion mit freitragender Dachkonstruktion geplante neue Große Westfalenhalle ersetzt den zerstörten Vorgängerbau und bietet Platz für 20.000 Zuschauer.

1953
Der zum Kreis der "Neuen Wilden" zählende Maler Martin Kippenberger (1953-1997) wird in Dortmund geboren.

Durch die Neuordnung der Energieversorgung kommt es Ende der 50er Jahre unter heftigen Protesten der Bergarbeiter z